Stephen Kings „Carrie“ kehrt als Serie zurück. Am 7. Oktober 2026 veröffentlicht Prime Video die Geschichte um das telekinetisch begabte Mädchen Carrie als achtteilige Serie. Regisseur und Drehbuchautor Mike Flanagan verlegt die Geschichte der gemobbten Schülerin in die Gegenwart von Smartphones und sozialen Medien. In einem ausführlichen Interview erklärte er, warum die Handlung um die Geschichten weiterer Frauen mit übersinnlichen Fähigkeiten erweitert wurde. Für Carrie selbst schwebt ihm im Idealfall sogar ein Handlungsbogen über drei Staffeln vor – geplant ist bislang allerdings nur die erste Staffel.
Der Ausgangspunkt der neuen Prime-Serie orientiert sich stark an Stephen Kings Romanvorlage, doch Flanagan modernisiert die Vorlage und versetzt sie ins Social-Media-Zeitalter. Carrie selbst wächst allerdings fast vollständig von der Außenwelt abgeschirmt bei ihren Eltern auf. Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters besucht sie erstmals eine öffentliche Highschool. Dort wird Carrie von ihren Mitschülern schikaniert. Ein Video von ihr wird in der Umkleide gefilmt und über soziale Medien verbreitet. Während Carrie immer stärker durch ihre Klassenkameraden gedemütigt wird, treten allmählich ihre telekinetischen Fähigkeiten hervor. In Flanagans Fassung konzentriert sich das Mobbing nicht auf das Schulgelände, sondern holt Carrie auch über die Sozialen Medien ein.
Warum aber braucht eine Geschichte, die Brian De Palma 1976 in einem Spielfilm erzählte, nun acht Folgen? Dieselbe Frage hat sich Flanagan laut einem Interview mit der Entertainment Weekly auch selbst gestellt. Der Roman biete für die bekannte Handlung „vielleicht Stoff für 90 Minuten“, sagt er dort. Daher habe er das Projekt eigentlich auch gar nicht übernehmen wollen. Dann jedoch habe er überlegt: Welche Geschichte ließe sich erzählen, wenn Carrie nicht die einzige Frau mit solchen Fähigkeiten ist?
„Die Geschichte von Carrie allein ist inzwischen mehrfach erzählt worden“, erklärt Flanagan im EW-Interview. Was bisher kaum inszeniert worden sei: Carrie gehöre zu „einer größeren Gemeinschaft von Frauen“, ohne je davon zu erfahren. Die Serie solle deshalb auch von anderen jungen Frauen handeln, „die ihren Platz in der Welt suchen und ihre Macht entdecken – mitsamt allen Gefahren, die das mit sich bringt“.
Flanagan würde Carrie gern in das größere King-Universe einbetten
Das Potenzial für diese Ausweitung sieht der Showrunner bereits im Original angelegt. So enthalte Stephen Kings Roman bereits Hinweise auf Polizeiberichte, Notrufe und Zeitungsausschnitte, die sich mit Telekinese und der möglichen Vererbung telekinetischer Fähigkeiten beschäftigen. Laut Flanagan deute King damit an, dass es abseits von Carries persönlicher Tragödie auch andere Fälle gefährlicher Telekinese gäbe. Die Serie würde daher ab Folge 2 jede Episode mit einer Szene über eine andere übersinnlich begabte Frau einleiten.
Im Interview mit Entertainment Weekly zog der Regisseur sogar Verbindungen zu jüngeren King-Romanen: Hätte Stephen King „Carrie“ etwas später geschrieben, so seine Überlegung, hätte ihre Gabe womöglich auch als „Shining“ gegolten. Jene Vampire, die im Roman „Doctor Sleep“ Jagd auf Menschen mit dem Shining machen, wären dann möglicherweise auch auf Carrie aufmerksam geworden. Das seien alles allerdings eher Ideen für mögliche Folgestaffeln und kein Hinweise auf die bald veröffentlichte erste Staffel.
Eine Verknüpfung mit den späteren Werken von King würde laut Flanagan aber eine größere Perspektive ermöglichen, weswegen er Potenzial für mehrere Staffeln sieht. In einem Interview mit Collider sagte Flanagan, er wünsche sich für „Carrie“ drei Staffeln. Prime Video hat allerdings bislang keine weiteren Staffeln bestätigt. Wie eine Fortsetzung überhaupt an das bekannte Ende von Kings Geschichte anschließen könnte, ließ der Regisseur offen.
Die neue Carrie vereint Neugier und Verletzlichkeit

Auch die Hauptfigur soll sich von früheren Verfilmungen unterscheiden. Flanagan und Summer H. Howell entschieden, dass die Darstellerin vor den Dreharbeiten weder den Roman lesen noch eine frühere „Carrie“-Version ansehen sollte. Bei vielen der mehr als 1.400 Bewerberinnen habe Flanagan Anklänge an Sissy Spaceks Darstellung erkannt. Howell überzeugte ihn mit einem eigenen Zugang: Ihre Carrie ist neugierig auf eine Welt, die ihr lange vorenthalten wurde, und gerade deshalb besonders verletzlich.
Schauspielerin Samantha Sloyan würde als Carries Mutter Margaret hingegen eine Frau verkörpern, die ihre Tochter liebt und dennoch immer wieder Gewalt wählt. Alison Thornton spielt die Mitschülerin Chris Hargensen, Siena Agudong Sue Snell und Joel Oulette Tommy Ross. Amber Midthunder ist als Lehrerin Miss Desjardin zu sehen, Matthew Lillard als Schulleiter Grayle. Stephen King ist ausführender Produzent; Flanagan schrieb die Serie und führte bei vier Folgen Regie.
Acht Folgen – und ein Abschlussball
Die Episodentitel erinnern an einen Stundenplan: „First Period“, „Foreign Language“, „Social Studies“, „Dramatic Arts“, „Physical Education“, „Home Economics“, „Romantic Literature“ und „AP Physics“. Doch es wird insbesondere die Inszenierung des Abschlussballs sein, an der sich die neue „Carrie“-Fassung messen lassen muss. Für die Sequenz mussten Feuer, Sprinkler, Kunstblut und die schrittweise Zerstörung der Kulisse aufeinander abgestimmt werden. Laut Flanagan zählt sie zu den aufwendigsten Szenen seiner Karriere. „Ich erinnere mich sehr deutlich an den Stress dieses Balls“, sagt er rückblickend.
Inwieweit Flanagans Erweiterung des Stoffes ebenso eindringlich wirkt wie in den früheren Verfilmungen, können Zuschauerinnen und Zuschauer ab dem 7. Oktober auf Prime Video sehen. Gerade weil Mobbing ein zentrales Motiv des Carrie-Romans ist, könnte die zeitliche Versetzung diesen Aspekt sinnvoll vertiefen. Ob bei Erfolg der ersten Staffel die Ausweitung zu einem Stephen-King-Universe sinnvoll ist, ist hingegen eine andere Frage.
Quellen: ew.com, collider.com
Bildrechte: Die Bildrechte zu „Carrie“ liegen bei © Amazon Content Services LLC. Das Flanagan-Porträt im Titelbild wurde fotografiert von Gabriel Hutchinson, veröffentlicht auf Wikimedia Commons unter CC BY-SA 4.0.


















