Ein Forum, um sich über unheimliche Literatur, spannende Filme und düstere Zukunftsvisionen auszutauschen.
Diskutiere über Geschichten, Motive und Welten, die Dich beschäftigen.
Es gibt Millionen von ihnen: Menschen, die anders wirken wollen als alle anderen. Der Wunsch nach Andersartigkeit ist der neue Mainstream. Nerds hatten es in dieser Hinsicht bislang einfach: Sie galten schon per se als „irgendwie anders“. Und egal, ob Science-Fiction- oder Horrorfreaks, Rollenspieler oder Comic-Sammler: Diese Andersartigkeit resultierte stets aus einer Leidenschaft für ihr spezielles Themengebiet. Umso erstaunlicher, dass in den Social Media viele Leute zwar weiterhin ihre Andersartigkeit betonen, aber an echten Diskussionen über ihr angebliches Lieblingsthema kaum noch interessiert sind. Das führt zu der bizarren Situation, dass einem selbst in Special-Interest-Gruppen täglich derselbe Themenbrei serviert wird, den man…
Hallo, Nerd!
Ich denke, ich darf dich so nennen, weil du in deinem Hobby, deine Gedanken und Einstellungen übers Internet zu verbreiten, sehr rege bist - in diesem Beitrag, den ich mit wachsendem Vergnügen verschlungen habe. Du hast die heutige Welt mit ihren Möglichkeiten und ihrem sozialen Liebreiz passend beschrieben, und in vielen Zeilen finde ich mich wieder - oder eben meine enttäuschten Erwartungen. Meine eigene Überheblichkeit – heute eigentlich nur noch über Küchentischautoren, die mit unausgegorenen Werken im Stil eines Schulaufsatzes eine Leserschaft, die über die Geburtstagsgesellschaft Tante Ilses hinausgeht - trete ich nicht öffentlich breit. Denn "Wie man sich bettet, so schallt es heraus." (Ups! - ein Altherrenwitz. Es soll aber der einzige bleiben.). Dennoch oder gerade deshalb bewege ich mich in sozialen Netzwerken nur noch behutsam. In Facebook etwa bin ich in den Autorengruppen eine Karteileiche, denn wenn ich nach einer halben Stunde in zehn Gruppen einen herzlich und informativ gemeinten Post eingestellt habe und am nächsten Morgen lesen muss "Lieschen Müller und Hans Meier und 169 weitere Personen haben einen Beitrag gepostet", weiß ich um die Vergeblichkeit meiner eigenen Präsenz: Mein Beitrag ist beim Drücken des Senden-Buttons schon unten aus dem Bildschirm gerutscht, und niemand scrollt. Ich auch nicht. Außerdem will ja jedes Gruppenmitglied trotz des Versprechens der Administratoren, Autoren und Leser zusammenzubringen, nur seine eigenen Werke anpreisen und interessiert sich nicht für die der anderen. Außerdem ist ein Drittel meiner Follower ein Freund oder Verwandter, mit dem ich lieber persönlich rede, ein weiteres Drittel sind Spanier, denen meine auf Deutsch geschriebenen Bücher gleichgültig sind, und das letzte Drittel sind Autoren, die genau wie ich ... Lobhudelei und Besserwisserei kenne ich von Autorengruppen, bei denen die Kurzgeschichten der übrigen Foristen bemäkelt werden, man selbst aber keine Kritik verträgt. Gut, das sind die wenigsten, aber sie sind nicht zu übersehen und prägen das Bild des Forums zusammen mit den Schmeichlern. Und das von dir angesrpochene Frauenbild in meinen Romanen? Den Blondinenwitzen zum Trotz so, wie ich Frauen im Beruf kennengelernt habe: interessiert, zielstrebig und kompetent. Natürlich stärker gefühlsbetont als wir Männer. So zumindest in meiner Krimireihe. Meinen Fantasyroman habe ich gerade umgeschrieben und das gemischte Heldenpaar durch zwei attraktive dreißigjährige Frauen ersetzt. Nicht, weil ich Spanner wäre oder Chauvinist, sondern weil von einer solchen Beziehung eine starke Ästhetik ausgeht. Bei dieser Überzeugung bin ich Nerd.
Beste Grüße
Michael Kothe, Autor














