Junges Mädchen in Horrorlandschaft vor Fernseher

Lust am Grauen: Warum Menschen sich gern gruseln

Warum mögen Menschen Horror: Umfrageergebnisse

Wie bereits erwähnt, beziehen sich nahezu alle psychologischen Studien zur Faszination am Horror auf den Film. Horrorliteratur taucht in diesen Forschungen praktisch nicht auf. Das nahm ich zum Anlass, Ende 2023 selbst eine kleine Umfrage zu starten, die sich mit der Frage beschäftigte, was Menschen am Horror reizt. Dabei legte ich vor allem Wert darauf, nicht nur Horrorfilmfans, sondern auch Horrorleser zu befragen. Mein Ziel war es, herauszufinden, ob beide Gruppen dieselben Gründe hatten, aus denen sie das Horrorgenre mochten.

Letztlich ging es mir auch darum, zu prüfen, ob die psychologischen Studien zur Horrorrezeption auch für Horrorleser gültig sind. Denn wenn es zwischen beiden praktisch keine Unterschiede gäbe, könnte man die Studien zu Horrorfilmen problemlos auch auf die Horrorliteratur übertragen. Hier nun die Ergebnisse meiner kleinen Umfrage.

Und wer sie als PDF lesen möchte, kann die Umfrageergebnisse zur „Faszination am Horror“ hier herunterladen.

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Die Umfrage richtete sich gezielt an Personen, die regelmäßig Horrorfilme schauen oder Horrorliteratur lesen. Insgesamt nahmen 293 Personen an der Befragung teil.

Altersverteilung

  • 17 Jahre oder jünger: 0,46 %
  • 18 bis 20 Jahre: 1,38 %
  • 21 bis 29 Jahre: 18,35 %
  • 30 bis 39 Jahre: 29,82 %
  • 40 bis 49 Jahre: 31,19 %
  • 50 bis 59 Jahre: 16,97 %
  • 60 Jahre oder älter: 1,83 %

Geschlechterverteilung

Die Geschlechterverteilung ist insgesamt relativ ausgeglichen, mit einem leichten Überhang weiblicher Teilnehmender:

  • Weiblich: 51,38 %
  • Männlich: 46,79 %
  • Divers: 1,83 %

Eine Aufschlüsselung nach den Horrorvorlieben non-binärer Personen erfolgt nicht, da deren Anzahl mit vier Personen zu gering war, um statistisch belastbare Aussagen zu ermöglichen.

Kurzfazit

Die Umfrage bildet vor allem die Perspektive von Erwachsenen zwischen 30 und 49 Jahren ab. Zusammengenommen machen diese beiden Altersgruppen bereits 61,01 % der Teilnehmenden aus. Jugendliche, sehr junge Erwachsene und Personen ab 60 Jahren sind hingegen nur in geringem Maße vertreten.

Die geringe Zahl minderjähriger Teilnehmender lässt sich sowohl entwicklungspsychologisch als auch rechtlich schlüssig erklären, da sich die meisten Horrorpublikationen deutlich an ein volljähriges Publikum richten und ihre Verbreitung an Jugendliche teilweise gesetzlich eingeschränkt ist.

Die Umfrage wurde verbreitet über Special-Interest-Foren und Facebook-Gruppen, die sich mit Horror oder düsterer Fantastik auseinandersetzten. Darüber hinaus wurde in Facebook- und Instagram-Anzeigen auf sie aufmerksam gemacht. Diese wurden gezielt nur für solche Personen ausgespielt, die "Horror" als filmisches oder literarisches Interesse angegeben hatten.

Damit nur Antworten von Personen berücksichtigt werden, die dem Horrorgenre etwas abgewinnen können, habe ich zu Beginn eine Filterfrage gestellt. Die erste Frage bot folgende Antwortmöglichkeiten:

  • Ich schaue Horrorfilme (und lese selten/nie Horrorbücher)
  • Ich lese Horrorgeschichten (und schaue selten/nie Horrorfilme)
  • Beides: Ich schaue Horrorfilme und lese Horrorliteratur.
  • Ich mag weder Horrorbücher noch Horrorfilme.

Wer angab, weder Horrorbücher noch Horrorfilme zu mögen, wurde von der weiteren Befragung ausgeschlossen, die Umfrage war damit beendet. Bei wahrheitsgemäßer Beantwortung bilden die ausgewerteten Ergebnisse daher nur die Perspektiven von horroraffinen Menschen ab.

 

Wer Horror liest, der schaut meist auch Horrorfilme. Andersherum gilt das nur begrenzt …

Die Eingangsfrage lautete, was das bevorzugte Medium der Horrorfans war: Film oder Buch? Bereits die Antworten auf diese erste Frage verdeutlichten, dass Horrorfilmfans keineswegs mit Horrorlesern gleichzusetzen sind, denn 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ausschließlich Horrorfilme sähen, aber nie Horrorgeschichten lesen würden. Bei den Horrorlesern gab es hingegen nur 4 Prozent, die antworteten, dass sie zwar Horrorbücher lesen würden, aber nie Horrorfilme schauen.

Die Mehrheit von 56 Prozent gab hingegen an, dass sie das Horrorgenre sowohl filmisch als auch literarisch schätzen.

Kuchendiagramm, das zeigt, wie viele Horrorfans Bücher lesen, wie viele nur FIlme schauen und wie viele beide Medien genießen.

 

Das Problem mit 4 Prozent reinen Horrorlesern

Aus dieser Verteilung ergab sich bereits ein Problem. Ursprünglich hatte ich mir erhofft, durch eine Gegenüberstellung der Ergebnisse von Horrorlesern und Horrorfilmfans auch Rückschlüsse über deren unterschiedliche Vorlieben hinsichtlich des Horrorgenres ziehen zu können.

Allerdings ist der Anteil an reinen Horrorlesern mit 4 Prozent so gering, dass sich bei 293 Befragten daraus schwer valide statistische Annahmen ableiten lassen. Schließlich handelt es sich hierbei um nur 12 Personen. Aus diesem Grund erfolgt nachfolgend auch keine Aufschlüsselung nach reinen Horrorlesern und reinen Horrorfilmfans. Denn die meisten Horrorleser schauen schlicht auch gerne Filme dieses Genres.

Faszination Horror: Nur bei wenigen mindert zu intensiver Schrecken den Spaß am Horror

Die Befragten sollten auf einer Skala von 1 bis 5 angeben, wie sehr es auf sie selbst zutrifft, dass sie Horror wegen des angsteinflößenden Effekts schätzen. 1 bedeutet hierbei, dass die Aussage nicht zutrifft, bei einer 5 traf sie voll und ganz zu.

Das Ergebnis: Mehr als 80 Prozent der Horror-Fans erhoffen sich von Horrorpublikationen, dass sie ihnen möglichst viel Angst bescheren. Nur knapp 18 Prozent (jene mit 1 oder 2 auf der Skala) fühlen sich durch zu furchterregenden Horror weniger unterhalten. In der Einteilung nach Horrortypen von Scrivner und Anderson könnte dies den White Knucklers entsprechen, deren Filmgenuss erheblich gemindert wird, wenn Szenen zu angstintensiv werden.

 

Diagramm, das zeigt, dass viele Horrorfans angstauslösenden Horror gegenüber weniger furchterregenden Horror bevorzugen.

Säulendiagramm, das darstellt, das ein Großteil der Horror-Rezipienten sich möglichst einflößende Szenen wünscht.

Die meisten wollen mit der Hauptfigur mitfiebern

Auch wenn es viele Horrorgeschichten gibt, in denen die Protagonisten nur blasse Abziehbilder sind, deren schnellen Tod man herbeisehnt, genießen die meisten der Befragten solche Horrorpublikationen, bei denen man mit den Hauptfiguren mitfiebern kann. Wenn keinerlei Identifikation oder Bindung zu den Protagonisten möglich ist, mindert das den Spaß am Horror.

Säulendiagramm, das zeigt, dass ein Großteil der Horrorfans mit den Protagonisten mitfiebern will.

 

Am beliebtesten ist Horror, der gesellschaftliche oder reale Ängste aufgreift oder überspitzt

Der Umfrage zufolge ist vor allem solcher Horror beliebt, der reale und gesellschaftliche Ängste aufgreift. Nur rund 7 Prozent mögen es eher nicht, wenn in Horrorproduktionen zu stark aktuelle gesellschaftliche Ängste im Vordergrund stehen. Leider habe ich es versäumt, auf diese Frage Folgefragen zu stellen, denn wie die weiteren Umfrageergebnisse zeigen werden, steht vor allem Paranormaler Horror hoch im Kurs, was zunächst einmal widersprüchlich erscheint, wenn vor allem das Aufgreifen realer Ängste geschätzt wird.

Allerdings können paranormale Schrecken durchaus symbolisch für reale Ängste stehen: Beispielsweise Gespenster, die Angst vorm Tod repräsentieren. Oder einige der Befragten glauben tatsächlich an paranormale Phänomene. Aus den vorhandenen Antworten lässt sich das leider nicht ableiten. Insofern wäre es interessant, bei künftigen Umfragen nachzuhaken, welche realen Ängste genau die Befragten gern durch Horrorproduktionen aufgegriffen sehen.

Diagramm zeigt Angst- und Gruselmotivation in der Gesellschaft. schätzen, wenn Horror auf reale gesellschaftliche Ängste abzielt.

 

Am weitesten driften die Meinungen beim Faktor „Ekel“ auseinander

Während ein Großteil der Horror-Fans sich möglichst angsteinflössende Szenen wünscht, driften beim „Ekel“ die Meinungen stark auseinander. Während 47 Prozent möglichst eklige Szenen im Horrorgenre erleben wollen, gaben 53 Prozent an, dass sie weniger Spaß am Horror haben, wenn dieser ihre Ekelgrenzen überschreitet.

Interessanterweise ist dies einer der wenigen Bereiche, in dem sich auch sehr deutlich unterschiedliche geschlechtsspezifische Neigungen zeigen: 62 Prozent der Frauen lehnen zu ekligen Horror ab. Bei den Männern sind es hingegen nur 40 Prozent, bei denen zu eklige Szenen den Horrorgenuss trüben.

Diagramme, die die abweichenden Antworten zum Thema "Ekel" im Horror darstellen.

Zwei Kuchendiagramme, die die unterschiedlichen Ekelgrenzen von Frauen und Männern bei Horrorpublikationen darstellen: 62 Prozent der Frauen lehnen zu ekligen Horror ab, aber nur 40 Prozent der Männer.

Film- und Literaturvorlieben im Horrorbereich

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Die Befragten konnten folgende 13 Subgenres als ihre Lieblingsgenres markieren. Die untenstehenden Erklärungen wurden mitgeliefert (für die Literaturvorlieben wurden sie leicht variiert, unten abgebildet sind die Fragen zu den Filmvorlieben). Sie konnten in Freifelder auch zusätzliche Subgenres eintragen. Es waren Mehrfachantworten möglich:

  • Psychological Horror (Psychologischer Horror konzentriert sich auf die dunklen Seiten der menschlichen Psyche, die geistigen Abgründe der Figuren. Beispiele: Bis das Blut gefriert, der Fluch der 2 Schwestern, Das Schweigen der Lämmer)
  • Paranormal Horror (In dieser Umfrage fassen wir damit alle Spielarten des Horrors zusammen, die sich mit der Aufklärung übernatürlicher Phänomene oder dem Kontakt mit paranormalen Kreaturen wie Geistern und Dämonen beschäftigen. Beispiele: Paranormal Activity, Poltergeist, The Ring)
  • Zombiehorror (Dieses Subgenre handelt von der Bedrohung durch Zombies. Beispiele: Die Nacht der lebenden Toten, 28 Days later)
  • Slasher-Filme (Typische Handlung: Serienmörder tyrannisiert Teenager und bringt die meisten von ihnen um. Beispiele: Freitag der 13., die Scream-Filme)
  • Horror-Komödie (Kombiniert Horror mit humoristischen Elementen. Beispiele: Gremlins, Tucker and Dale vs. Evil)
  • Splatter/Torture Porn/Gore (Diese Horrorfilme fokussieren sich auf die Darstellung von blutigen Szenen und Gewalt. Je nach Subgenre steht der Akt des Tötens, das Leiden des Opfers oder das Ergebnis im Vordergrund. Beispiele: Haus der 1000 Leichen, Hostel, die Guinea-Pig-Reihe, einige Final-Destination-Filme)
  • Gothic Horror (Motive alter Schauergeschichten werden aufgegriffen. Häufig tauchen klassische Horrorfiguren auf. Der Schrecken hat seine Wurzeln oft in der Vergangenheit: vertuschte Verbrechen, Bedrohung durch uralte Kreaturen. Beispiele: Schwarzweiß-Klassiker wie Die Mumie, Frankenstein-Filme, aber auch modernere Filme wie Crimson Peak)
  • Vampirhorror (Hier stehen die namensgebenden Blutsauger im Zentrum. Beispiele: Dracula, Near Dark, So finster die Nacht)
  • Body Horror (Die Veränderung, Verwandlung oder Verstümmelung des Körpers steht im Vordergrund. Beispiele: Cronenbergs Die Fliege, Hellraiser)
  • Monsterfilme (Ungeheuer terrorisieren und töten Menschen oder verwüsten Landschaften. Beispiele: Godzilla, Cloverfield, Das Relikt)
  • Cosmic Horror (nach dem Autor H.P. Lovecraft auch "Lovecraftian Horror" genannt, betont die Angst vor unbegreiflichen Kräften, die im Widerspruch zum gängigen Weltbild oder Wissenschaftsglauben stehen. Das Wissen um uralte oder außerirdische Wesen treibt den Protagonisten häufig in den Wahnsinn. Beispiele: Die Farbe aus dem All, Auslöschung, Event Horizon)
  • Tierhorror (Außergewöhnlich aggressive, oft mutierte Tiere verbreiten Schrecken. Beispiele: Der weiße Hai, Die Vögel, Tarantula)
  • Werwolf-Filme (Verbrechen und Erlösung von Menschen, die sich aufgrund eines Fluchs oder einer Infektion in Werwölfe verwandeln, sind Thema dieses Subgenres. Beispiele: The Wolfman, American Werewolf, Ginger Snaps)

Hinsichtlich der beliebtesten Subgenres des Horrors ist tatsächlich eine Aufschlüsselung nach Film und Literatur möglich, da die Teilnehmer gebeten wurden, für beides separat zu antworten (also einmal „Kreuze an, welche Art von Horrorliteratur Du am liebsten liest.“ und einmal „Kreuze an, welche Art von Horrorfilmen Du am liebsten schaust.“). Insgesamt standen 13 Subgenres zur Auswahl, allerdings konnten die Teilnehmer auch eigene Vorschläge in Freifeldern eintragen.1Genannt wurden u.a. Subgenres wie der Exploitationfilm (Kannibalismus), Unterformen des Splatters, Mischformen wie SciFi-Horror und auch Folk Horror.

Gleichermaßen auffallend wie auch überraschend ist, dass laut Umfrage sowohl im Film- als auch im Literaturbereich Paranormal Horror und Psychological Horror Ende 2023 am beliebtesten waren. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass im Filmbereich das Horrorgenre immer wieder Trends durchlebt und rückblickend betrachtet die Jahre 2022/23 eine Art Wendepunkt darstellen könnten. Die Welle des sogenannten Torture Porns mit Saw und Hostel als Vorreitern (aber auch Martyrs oder The Devil’s Rejects seien hier genannt), die verstörende Folter- und Verstümmlungsfantasien in den Vordergrund rückte, war 2023 längst abgeebbt. Seit den 2010ern bis eben in die frühen 2020er dominierten stattdessen subtilere Horrorfilme und vor allem auch wieder Spukgeschichten um Geister und Dämonen das Horrorkino (mit Paranormal Activity als frühen Initiator und nachfolgend Insidious, Sinister und später etlichen Conjuring-Ablegern). Das könnte die hohen Umfragewerte für paranormalen Horror erklären. Inzwischen hat der Extreme Horror wieder etwas an Fahrt gewonnen und mit der Clownsfratze Art in Terrifier 2 um die Jahreswende 2022/23 auch das Mainstreamkino erreicht.

Die Literaturvorlieben von weiblichen und männlichen Horrorfans als Balkendiagramm dargestellt.
In der Umfrage wurden auch non-binäre Personen erfasst. Allerdings lag die Anzahl im niedrig-einstelligen Bereich, sodass sich keine statistisch verlässlichen Ableitungen aus ihren Antworten ziehen ließen.

Obwohl das Revival des Body und Extreme Horrors dort gerade erst begann, haben schon 2023 viele Filmfans solche Horrorsubgenres zu ihren Favoriten gewählt, die stark von physischer Gewalt geprägt sind – bspw. den Slasher oder den Zombiehorror. Insgesamt sind Subgenres, die sich um physische Gewalt drehen, in Horrorfilmen etwas beliebter als in der Horrorliteratur. Im Gegensatz dazu ist Cosmic Horror im Literaturbereich sehr oft genannt worden, während er im Horrorfilm kaum zu den Favoriten der Befragten zählt. Dies mag damit zusammenhängen, dass Filmproduktionen um kosmische Grauen, die das Gefüge der Welt bedrohen, eine absolute Seltenheit sind. Literarisch hat man hier Lovecraft und Epigonen sowie auch einige Horrormanga, aber filmisch wird Kosmischer Horror nur alle paar Jahre inszeniert.

Die Filmvorlieben von weiblichen und männlichen Horrorfans als Balkendiagramm dargestellt.
Falls sich nun jemand über dieses Ergebnis wundert: Das Alter scheint die Filmvorlieben beim Horror deutlich stärker zu beeinflussen als das Geschlecht, wie die nachfolgende Grafik zeigen wird.

Bei diesen Umfrageergebnissen sollte man jedoch im Blick haben, dass die 30- bis 49-Jährigen den Großteil der Befragten stellen. Und insbesondere beim Film ist der Unterschied zwischen den Altersgruppen aber viel größer als zwischen den Geschlechtern.

Die Horrorfilmvorlieben jüngerer und älterer Zuschauer als Diagramm gegenübergestellt.
Unter den 18 bis 29-Jährigen gaben 57 Prozent an, dass zu ihren Lieblings-Horrorgenres Splatter/Torture Porn/Gore gehört, auch Slasherfilme und Horrorkomödien sind deutlich beliebter als in den anderen Altersgruppen. Der vorher so präsente Gothic Horror taucht in der jüngeren Altersgruppe hingegen nicht mehr in den Top 5 auf. Altersbedingte Faktoren (Sozialisation, Nostalgie, eine Kinohistorie) scheinen also wesentlich die persönlichen Horrorvorlieben zu beeinflussen. Und an dem Klischee, dass insbesondere viele jüngere Horror-Fans sich an intensiven Darstellungen körperlicher Gewalt erfreuen können, ist möglicherweise doch etwas dran.

Auf jeden Fall verdeutlichen diese Ergebnisse, dass man bei Studien zum Horror stets hinterfragen sollte, wie sich die Versuchsgruppe zusammengesetzt hat. Studien, die mit Gruppen männlicher Jugendlicher durchgeführt wurden, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Ergebnisse als solche mit einem ausgewogenen Alters- und Geschlechterverhältnis.

 

 

Fazit: Ekel als trennender Faktor im Horrorgenre – gewaltzentrierte Genres werden eher im Film als in der Literatur geschätzt

Was sich der Umfrage klar entnehmen lässt, ist, dass ekelerregende Darstellungen DER trennende Faktor im Horrorgenre sind. Während nichtmal 18 Prozent der Befragten sagen, dass Horror ihnen zu angstintensiv sein kann, gaben ganze 53 Prozent an, dass zu eklige Inhalte ihnen den Spaß am Horror verderben. Gleichzeitig zeigt sich beim Ekel auch eine große Abweichung der Geschlechter: Während 60 Prozent der Männer möglichst eklige Szenen im Horror möchten, sind es bei den Frauen nur 38 Prozent.

Zudem gab es bereits 2023 eine Tendenz dazu, dass auf Gewaltdarstellungen fokussierte Subgenres des Horrors bei Filmen etwas beliebter waren als in Büchern. Da das Horrorkino deutlich von starken Trends geprägt ist, sind diese Zahlen aber eher Momentaufnahme als dauerhaft gültige Darstellung. Die Abweichungen zwischen den Altersgruppen zeigen allerdings, dass man kein zu starres Bild des typischen Horrorfans haben sollte. Es gibt nicht den einen Horrorfan, da das Genre sich in eine Vielzahl unterschiedlicher Subgenres aufteilen lässt, die in unterschiedlichen Altersgruppen auch unterschiedlich beliebt sind.

Was einen überwältigenden Anteil der Befragten vereint, ist jedoch der Wunsch nach Protagonisten, mit denen man mitfiebern kann. Ein deutlicher Hinweis, dass stereotype blasse Hauptfiguren, denen man lediglich beim Sterben zuschaut, zwar verbreitet sind, aber deswegen keineswegs beliebt. Der Horror wird als intensiver und meist auch zufriedenstellender empfunden, wenn man mit den Protagonisten auch mitleiden kann. 

 

Literaturverzeichnis

  • Baumann, Hans D.: Horror. Die Lust am Grauen. Weinheim; Basel: 1989.
  • Clasen, Mathias; Kjeldgaard-Christiansen, J., Johnson, J. A. Horror, personality, and threat simulation: A survey on the psychology of scary media. In: Evolutionary Behavioral Sciences, 14(3). 2020: 213–230.
  • Scrivner, Coltan; Andersen, Marc Malmdorf; Schjødt, Uffe; Clasen, Mathias. The Psychological Benefits of Scary Play in Three Types of Horror Fans. In: Journal of Media Psychology, 35(2), Göttingen: 2023: S. 87–98.
  • Zillmann, Dolf: Transfer of excitation in emotional behavior. In: J. T. Cacioppo & R. E. Petty (Hrsg.), Social psychophysiology: A sourcebook. New York: 1983. S. 215–240.
  • Zillmann, Dolf: The psychology of suspense in dramatic exposition. In: P. Vorderer, H. J. Wulff, & M. Friedrichsen (Hrsg.), Suspense: Conceptualizations, theoretical analyses, and empirical explorations. Mahwah, NJ: 1996: S. 199–231.

Bildnachweise:

  • Titelbild: „Young woman standing, evil-hands comes out giant television“ von grandfailure auf depositphotos.
  • Bild filmschauender Mädchen: „Girls watching horror movie on tv sitting on couch“ von Milkos auf depositphotos.
  • Illustration des Nucleus accumbens: „Nucleus accumbens lateral ray view rendering illustration“ von MattLphotography auf depositphotos.
  • Bild einer horrorfilmschauenden Vierergruppe: „Group of multi ethnic watching at terrifying movie on television“ von DragosCondreaW auf depositphotos.
Blogger und hauptsächlich Verantwortlicher der Website marius-tahira.de, auf der er sich den Genres Horror, Dystopie und Thriller widmet. Nach einer Verlagsausbildung und seinem Germanistikstudium war er lange Zeit im Lektorat tätig und arbeitet nun im Bereich der Suchmaschinenoptimierung.

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